Archiv der Kategorie 'Geschichte'

Wodurch die Treuepflicht erlischt

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

Unter Kritiknetz: Abschaffung der allgemeinen unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechte gibt es einen erstklassigen Aufsatz von Prof. Dr. Heinz Gess an der Universität Bielefeldt, in dem er ausführt, weshalb mit den schlimmen Verwerfungen beim UN Menschenrechtsrat, über die dieses Blog schon verschiedentlich berichtet hat, ein Verfassungsnotstand eingetreten ist.

Der folgende Ausschnitt aus dem Text mag genügen, um die Argumentation nachzuvollziehen

… So ist es auch zu verstehen, wenn in den wenigen Kommentaren, die es in der deutschen Presse zu dem schlimmen Beschluss gab, ganz unaufgeregt erklärt wurde, dass Kritik an der Abschaffung des Menschrechts auf freie Meinungsäußerung als Ausdruck von „Islamophobie“ zu werten sei. Das ist so, als ob man feststellte, seinerzeit habe in Nazideutschland die Kritik der Nazi-Ideologie als ein Ausdruck von „Germanophobie“ und „Deutschenhass“ gegolten und deshalb sei es richtig gewesen, die Kritik zum Schutz des „deutschgläubigen Gefühls“ und der Achtung vor der „Eigenart der Kulturen“ zu verbieten. Da braucht die Frage wohl nicht mehr gestellt werden, ob das
postfaschistische Deutschland aus seiner faschistischen Vergangenheit etwas gelernt habe und wie stark der emanzipatorische Freiheitswille in der kalten Herberge Deutschland verankert ist.

Dabei heißt es im Artikel 1 Abs. 2 des Grundgesetzes ausdrücklich:

„Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“

Die politischen Vertreter des „deutschen Volkes“ sind danach durch das Grundgesetz verpflichtet, sich in der UNO und allen anderen internationalen Organisationen zu den „unverletzlichen und unveräußerlichen Grundrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft“ zu bekennen. „Bekennen“ – das heißt: sie sind als Abgeordnete des „deutschen Volkes“ moralisch und politisch verpflichtet, jeder Verletzung der unveräußerlichen Menschenrechte durch Politiker jeder menschlichen Gemeinschaft mit Nachdruck entgegenzutreten und nicht zuzulassen, dass die Verletzung der Menscherechte durch internationale Organisationen gebilligt wird.

das sollte wohl jeder verstehen können, der sich auch nur ein wenig mit den Grundpfeilern des Grundgesetzes beschäftigt hat. Sowohl in der Regierung Merkels, wie auch in der EU, wie auch in den Vereinten Nationen sind genügend Juristen vorhanden, die diese Zusammenhänge verstehen und somit verpflichtet wären, aus den schreienden Zuständen beim Menschenrechtsrat Konsequenzen zu ziehen. Nachdem nicht absehbar ist, daß auch nur irgendetwas in dieser Art geschehen wird, bleibt kein anderer Weg, als darauf hinzuweisen, daß welche Folgen das nach sich zieht.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg

In der Gedenkrede von Generalleutnant Johann-Adolf von Kielmansegg am 20. Juli 1963, in der er die Gewissenskonflikte von Widerstandskämpfern gegen die Nazi-Barbarei wie Dietrich Bonhoeffer oder Claus Schenk Graf von Stauffenberg nachzeichnete, erörterte er auch die Frage, was die Bedingungen dafür sind, daß die Bindung durch einen geleisteten Treueeid erlöscht:

Dabei finden wir im abendländischen Rechtskreis, dass das Recht des Widerstands
gegen den das Recht brechenden Gewalthaber so gut wie überall und immer anerkannt war und ist. Diese Anerkennung, ja Kodifizierung, hat in den Staaten angelsächsischen Rechts und auch in Dänemark praktisch bis heute keine Unterbrechung gefunden, wohl aber auf dem Kontinent, im Zeitalter des Absolutismus, wobei sie in Frankreich durch die Revolution von 1789 wieder zum Leben kam und lebendig geblieben ist. Ich bin kein Jurist und so dürfen Sie von mir hierzu keine tiefer gehenden juristischen Betrachtungen erwarten. Ich begnüge mich mit dem Hinweis, dass es ein voll ausgebildetes mittelalterliches Widerstandsrecht gab, gewachsen aus den drei Wurzeln eines breiten vormittelalterlichen germanischen Volksrechts, eines feudalen Widerstandsrechts des Lehnsstaates und eines von der Kirche entwickelten Widerstandsrechts, wie es Kern schon 1915 in seiner Schrift „Gottesgnadentum und Widerstandsrecht“ überzeugend dargelegt hat. Es gibt auch mehr als eine feierliche Beurkundung dafür, deren früheste wohl die „Straßburger Eide“ anlässlich des karolingischen Staatsvertrags von 842 zwischen Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen sind. Diese Straßburger Eide gehen auch gerade den Soldaten an, denn sie wurden von Soldaten gegenüber ihren Königen geschworen. Jeder der beiden königlichen Brüder entbindet seine Gefolgsleute von Treue und Gehorsam für den Fall, dass er den Vertrag verletze. Daraufhin, und auch die Reihenfolge ist wichtig, leistet jedes der beiden Heere den Eid, seinem Herrn die Gefolgschaft und die Hilfe zu versagen, wenn er selbst seinen Eid bricht. Später finden wir im „Sachsenspiegel“ des Eike von Repgow, um nur noch eine Beurkundung zu erwähnen, an zwei Stellen Widerstandsrecht und Widerstandspflicht verankert, einmal als individuelles Recht, zum Anderen als das Recht einer Mehrzahl von „Gerichtsunterworfenen“.

Hier wie überall im Widerstandsrecht ist der Grundgedanke der der Herrschaftsverwirkung, wenn der Herrscher durch seine Handlungen das Recht, unter dem auch er steht, bricht. Die Treuepflicht des Führers und des Geführten ist eine gegenseitige. Die der Treuepflicht des Gefolgsmanns immanente Gehorsamspflicht erlischt, wenn der Herrscher seine Treuepflicht zur Wahrung der bestehenden Rechtsordnung nicht mehr erfüllt.

wenn die Rechtsordnung, die es zu bewahren gilt, diejenige der Menschenrechte ist, dann ist demgemäß die Treueverpflicht dieser Ordnung gegenüber seit dem 28. März 2008 erloschen bzw. sie ist so lange unwirksam, bis die Regierung Merkel oder aber eine auf sie folgende (im Sinne des Grundgesetzes legitime Regierung) diesen Rechtsbruch beendet.

Grundsätze für die Neuordnung

Zeichnung des Schlosses in Kreisau

Kreisau - so hieß ein kleines Dorf in Niederschlesien. Dort traf sich auf dem Gutshofder Familie von Moltke eine Gruppe von Nazigegnern, um Pläne für die Zukunft Deutschlands und Europas nach dem Ende des Nationalsozialismus auszuarbeiten. Die Kreisauer sahen sehr früh, “nicht nur die Verwüstungen der Städte, sondern auch die entsetzlichen Verwüstungen in den Köpfen und Herzen der Menschen”. Viele Mitglieder des Kreisauer Kreises wurden 1944/45 hingerichtet. Aus dem folgenden Dokument kann man ersehen, worauf sie hofften. Es war ihr Grundriss für eine neue Verfassung nach Überwindung der Diktatur:

Grundsätze für die Neuordnung vom 9. August 1943

Die Regierung des Deutschen Reiches sieht im Christentum die Grundlage für die sittliche und religiöse Erneuerung unseres Volkes, für die Überwindung von Hass und Lüge, für den Neuaufbau der europäischen Völkergemeinschaft. Der Ausgangspunkt liegt in der verpflichtenden Besinnung des Menschen auf die göttliche Ordnung, die sein inneres und äußeres Dasein trägt. Erst wenn es gelingt, diese Ordnung zum Maßstab der Beziehungen zwischen den Menschen und Völkern zu machen, kann die Zerrüttung unserer Zeit überwunden und ein echter Friedenszustand geschaffen werden.

Die innere Neuordnung des Reiches ist die Grundlage zur Durchsetzung eines gerechten und dauerhaften Friedens. Im Zusammenbruch bedingungslos gewordener, ausschließlich auf die Herrschaft der Technik gegründeter Machtgestaltung steht vor allem die europäische Menschheit vor dieser Aufgabe. Der Weg zu ihrer Lösung liegt offen in der entschlossenen und tatkräftigen Verwirklichung christlichen Lebensgutes.

Die Reichsregierung ist daher entschlossen, folgende innen und außen unverzichtbare Forderungen mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu verwirklichen:

  1. Das zertretene Recht muß wieder aufgerichtet und zur Herrschaft über alle Ordnungen des menschlichen Lebens gebracht werden. Unter dem Schutz gewissenhafter, unabhängiger und von Menschenfurcht freier Richter ist es Grundlage für alle zukünftige Friedensgestaltung.
  2. Die Glaubens- und Gewissensfreiheit wird gewährleistet. Bestehende Gesetze und Anordnungen, die gegen diese Grundsätze verstoßen, werden sofort aufgehoben.
  3. Brechung des totalitären Gewissenszwangs und Anerkennung der unverletzlichen Würde der menschlichen Person als Grundlage der zu erstrebenden Rechts- und Friedensordnung. Jedermann wirkt in voller Verantwortung an den verschiedenen sozialen, politischen und internationalen Lebensbereichen mit. Das Recht auf Arbeit und Eigentum steht ohne Ansehen der Rassen-, Volks- und Glaubenszugehörigkeit unter öffentlichem Schutz.
  4. Die Grundeinheit des friedlichen Zusammenlebens ist die Familie. Sie steht unter öffentlichem Schutz, der neben der Erziehung auch die äußeren Lebensgüter: Nahrung, Kleidung, Wohnung, Garten und Gesundheit sichern soll.
  5. Die Arbeit muß so gestaltet werden, daß sie die persönliche Verantwortungsfreudigkeit fördert und nicht verkümmern läßt. Neben der Gestaltung der materiellen Arbeitsbedingungen und fortbildender Berufsschulung gehört dazu eine wirksame Mitverantwortung eines jeden an dem Betrieb und darüberhinaus an dem allgemeinen Wirtschaftszusammenhang, zu dem seine Arbeit beträgt. Hierdurch soll er am Wachstum einer gesunden und dauerhaften Lebensordnung mitwirken, in der Einzelne, seine Familie und die Gemeinschaften in ausgeglichenen Wirtschaftsräumen ihre organische Entfaltung finden können. Die Wirtschaftsführung muß diese Grunderfordernisse gewährleisten.
  6. Die persönliche politische Verantwortung eines jeden erfordert seine mitbestimmende Beteiligung an der neu zu belebenden Sozialverwaltung der kleinen und überschaubaren Gemeinschaften. In ihnen verwurzelt und bewährt, muß seine Mitbestimmung im Staat und in der Völkergemeinschaft durch selbstgewählte Vertreter gesichert und ihm so die lebendige Überzeugung der Mitverantwortung für das politische Gesamtgeschehen vermittelt werden.
  7. Die besondere Verantwortung und Treue, die jeder einzelne seinem nationalen Ursprung, seiner Sprache, der geistigen und geschichtichen Überlieferung seines Volkes schuldet, muß geachet und geschützt werden. Sie darf jedoch nicht zur politischen Machtzusammenballung, zur Herabwürdigung oder Unterdrückung fremden Volkstums mißbraucht werden. Die freie und friedliche Entfaltung nationaler Kultur ist mit der Aufrechterhaltung absoluter einzelstaatlicher Souveränität nicht mehr zu vereinbaren. Der Friede erfordert die Schaffung einer die einzelnen Staaten umfassenden Ordnung. Sobald die Zustimmung aller beteiligten Völker gewährleistet ist, muß den Trägern dieser Ordnung das Recht zustehen, auch von jedem Einzelnen Gehorsam, Ehrfurcht und notfalls auch den Einsatz von Leben und Eigentum für die höchste politische Autorität der Völkergemeinschaft zu fordern.

 

NPD und Grüne zanken um das Erbe von Julius Streicher

Bin heute durch Zufall darauf gestoßen, daß die bayerische Landtagsabgeordnete Christine Stahl (Bündnis 9/11) sich mit ihrem Engagement für eine “freies Franken” einen Namen gemacht hat. Auf der Seite des fränkischen Bundes befindet sich noch ihre Rede anlässlich des Frankentages des Fränkischen Bundes am 3. Juli 2004 in Würzburg und bei einer Abstimmung im bayerischen Verfassungsausschuß machte sie sich für eine Namensänderung Bayerns in “Bayern-Franken” stark: Populismus pur und das auf Kosten des bayerischen Steuerzahlers!

Christine Stahl

Nun bin ich ja selbst in Franken aufgewachsen und kann die fränkische Position daher sehr gut nachvollziehen. Damit jedoch Politik zu machen, verbietet sich, weil es nun mal völkische Politik ist und damit den Franken ja nicht geholfen ist. Deshalb wundert es mich überhaupt nicht, daß die NPD jetzt, nachdem sich der Frankentag mit Hilfe Christine Stahls etabliert hat, eben dieser Frankentag der NPD nun als willkommener Anlaß für ihre wohl jährlich stattfindenden Aufmärsche dient.

Kann man es anders, denn als verlogen bezeichnen, daß Christine Stahl nun auf einmal in Deckung geht, wenn das Nürnberger Bündnis Nazistopp zu Protesten gegen den NPD Aufmarsch aufruft? Dort schreiben sie nämlich völlig zurecht:

So genannte “Frankentage” - Massenveranstaltungen mit bis zu 100000 BesucherInnen, meist mit Julius Streicher als Hauptredner - veranstalteten die regionalen Nationalsozialisten auf dem Hesselberg im Landkreis Ansbach. Die Namensgebung der Veranstaltung am 7. Juni 2008 dürfte also kein Zufall sein.

da kann man nur hoffen, daß Christine Stahl sich rechtzeitig auf das hohenzollersche Erbe Frankens besinnt, damit sie nicht so endet, wie Julius Streicher; hier bei seinem Prozess, der ironischerweise ja auch in Nürnberg war:
Julius Streicher bei seinem Prozess in Nürnberg

Kirchliche Liebedienerei

Mit Papst entdeckt Gemeinsamkeiten mit dem Islam und Eine Kirche erklärt Christen den Moscheebau gab es heute zwei Artikel auf PI, die Fälle kirchlicher Liebedienerei gegenüber den Feinden der Kirche aufdeckten.

Auch wenn man sich immer noch darüber wundert, sollte man nicht denken, daß das etwas neues wäre. Unter “Die Bewegung der Renovationisten in der Orthodoxen Kirche” kann man etwa von Lenins Kirchenpolitik lesen:

Lenin und StalinLenin und seine Regierung machten nie ein Geheimnis aus ihrer ideologischen Ablehnung des Glaubens an Gott. Aber, etwa zur gleichen Zeit (besonders nach 1921), als es zur Wirklichkeit wurde, daß die Weltrevolution nicht vor der Tür steht und daß irgendeine Form der Koexistenz zur nicht-kommunistischen Welt geschaffen werden muß, versuchte Lenin das Ausland davon zu überzeugen, daß Sowjetrussand (und nach 1922 die Sowjetunion) wirklich ein Staat religiöser Toleranz wäre. Und tatsächlich gewährte die Verfassung von 1918 wie auch Lenin’s Dekret vom 23. Januar 1918 über die “Trennung von Kirche und Staat und von Schule und Kirche” gleiche Rechte für religiöse und anti-religiöse Propaganda.

das beschreibt bisher aber nur das historische Umfeld. Welche Blüten diese Kirchenpolitik hervorbrachte, steht im Bericht zu Patriarch Tichon aus “Das russische Golgatha: Das Leben der Heiligen Märtyrer und Bekenner von Russland (Vol. 1)”:

Patriarch TichonUnter den Kritikern des Patriarchen [Tikhon] in Fragen des Kirchenvermögens war eine Gruppe vorrevolutionärer “renovationistischer” Kleriker, die die sognannte “Lebende Kirche” gründeten. Im selben Monat Mai nutzten sie die Reise des Patriarchen zum Donskoy-Kloster, um in der zentralen Kirchenadministration die Macht zu ergreifen.

Bald griffen die Renovationisten eine ganze Reihe von Fundamental-Dogmen der Kirche an und führten einige modernistische Erfindungen, wie den neuen Kalender oder verheiratete Bischöfe ein. Sie entwickelten eine rigorose pro-sowjetische und anti-patriarchale Politik. Die GPU unterstützte sie, während sie diejenigen einsperrte, die loyal zum Patriarchen waren. Bald waren die meisten Kirchen in Moskau und etwa ein drittel im Rest des Landes in ihren Händen. Die Masse des Volkes behielt ihren Glauben im Sinne des Patriarchen, der im April 1923 in das Taganka-Gefängnis eingesperrt wurde, um auf seinen Prozess zu warten.

Auf ihrem zweiten Konzil, das sich noch im gleichen Monat April in Moskau traf, besangen sie die Revolution dann in Lobliedern und bezeichneten sie als “Christenschöpfung”, die Sowjetregierung sahen sie als erste Regierung in der Welt, die danach strebt, “das Ideal des Königtum Gottes” umzusetzen und über Lenin: “Zu allererst müssen wir uns mit tiefen Worten der Dankbarkeit der Regierung unseres Staates zuwenden, die, anders als es ausländische Zeitungen berichten, die Kirche eben nicht verfolgt … Worte der Dankbarkeit und des Willkommens haben wir an den einzigen Staat in der Welt zu richten, der - obwohl er nicht glaubt - das Werk der Liebe vollbringt, das wir Gläubige nicht vollbringen und ebenso an den Führer von Sowjetrussland V. I. Lenin, der auch Kirchenleuten lieb und teuer sein sollte.

und so unfaßbar es auch klingen mag: Die geistigen Nachfolger dieser Clicque sitzen heute mit den Vertretern der protestantischen Kirchen und denen des Vatikans im Weltkirchenrat zusammen und geben vor, Weltkirche zu sein!

Von der russischen Katakombenkirche lernen heißt Siegen lernen

Das Gedankenkonzept eines Gegners kann man bekämpfen, indem man auf der Ebene von “Sachargumenten” streitet: Da wird dann die eine Statistik gegen die andere vorgebracht, jedoch weiter als bis zu der Redewendung “Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast” ist man damit kaum je gekommen.

Oder man bemüht sich, argumentativ nachzuweisen, warum diese oder jene eigentlich verbotene “kulturelle Eigenheit” einer nicht näher genannten Gruppe etwas mit deren Religion zu tun haben muß. Oft wird das ja nicht zugegeben, aber auch wenn es zugegeben wird, kommt man damit nicht weit: Regelmäßig wird dem entgegengesetzt, daß es auch soziale Gründe geben könne, wodurch man die immerhin zugegebene Eigenheit erklären könne.

So landet man also schließlich beim Patt und zankt dann nur noch darum, ob man das Thema überhaupt diskutieren dürfe, weil Wahrnehmung und Erwähnung dieser Gruppe ja allein schon eine “Diskriminierung” sein kann. Und richtig: Im Wortsinn ist es eine Diskriminierung, weil man eben unterscheidet. So kommt man bestenfalls zum Philosophieren, aber gewinnen kann man damit nichts. 

Schon immer wurden daher solche Auseinandersetzung immer auch als Kampf um Begrifflichkeiten geführt. Wie oft haben wir selbst - bald schon mit Ekel - den neuen Wortgötzen “Dialog” in den Mund genommen, um zu erklären, weshalb es naiv ist, sich davon Substantielles zu erwarten? Doch es gibt ganze Institute, die uns im Verein  (man kann es erahnen, wenn man mal nach “kulturelle kompetenz dialog” googelt) mit bestimmten Zweigen der Geisteswissenschaft beweisen, wie schlagkräftig Scholastik und Sophistik auch heute noch sind, wenn man sie verschmelzt. Die Legierung aus beidem läßt sich dem Steuerzahler allemal noch als “Kommunikationswissenschaft” verkaufen. Die Vorkämpfer in Sachen Dhimmisierung verwenden dieses Material dann in Form eines Doppelklingenschwerts, mit dem sie mit der Vorhand die Schuldfrage zulasten des Opfers beantworten, während sie mit der Nachhand dem Rechtswesen (”Mediation“) das Wasser abgraben, das an sich ja für die Bestrafung der Täter zuständig sein sollte. Genau auf diese Weise wird man uns eines Tages zu Sklaven machen, wenn wir uns nicht wappnen. Wir müssen also lernen, uns mit entsprechenden Widerworten dagegen zu erwehren.

oldgerb

 
Ein in dieser Hinsicht überaus lehrreicher Streit findet seit Jahren und Jahrzehnten zwischen den verschiedenen Teilen der russisch-orthodoxen Kirche statt. Bei uns kaum beachtet wude dort 2007 die unter Mithilfe Putins zustande gekommene Wiedervereinigung der Russisch-Orthodoxen Kirche (Inland) und der Russichen Orthodoxen im Ausland (ROCA) gefeiert. Mehr oder weniger, denn der Streit geht weiter, weil es in der Sowjetzeit auch noch die als Katakombenkirche bekannte Kirche im Untergrund gab und im Gegensatz zur sowjetischen “Staatskirche”, die sich spätestens seit 1927 dauerhaft in Stalins Staatsgefängis karglich eingerichtet hatte, wurden die Katakombniks noch bis 1990 verfolgt.

Zum Problem für die heute nach außen hin vereint erscheinende Kirche wird das, weil die sowjetische Vorgängerkirche sich teils sogar am Verrat von Christen schuldig machte, wenn sie taten, was sie nur konnten, um mit der 1918 von Patriarch Tichon mit Anathema (Kirchenbann) belegten Sowjetregierung nicht kooperieren zu müssen. Welche Folgen so ein Verrat hatte, kann man sich ausmalen: sie wurden zu Märtyrern der Kirche. Nur handelt es sich bei dieser Kirche nicht um irgendeine Kirche, sondern um die Orthodoxe Kirche, die sich als Eine Heilige Apostolische Kirche Jesu Christi begreift und das seit jeher.

Schon lange, lange vor der Vereinigung von 2007 wurden aber im Zuge dieses Kirchenstreits Begriffe wie der des Sergianismus verwendet, um auszudrücken, daß die sowjetische Staatskirche nicht die richtige Kirche sein kann, weil sie Tichons Anathema ja mißachtete. Und weil es eben wahr war, daß diese “Kirche” ihre Schäfchen auf die Schlachtbank führte, etalierte sich dieser auf den ehemaligen Patriarchen verweisende Begriff. Schließlich war es ja Sergi gewesen war, der 1927 zur offenen Kooperation mit den Kommunisten aufgerufen hatte und daher selbst unter Tichons Kirchenbann von 1918 fiel.

Von Bedeutung für uns ist das, weil Sergis unrechtmäßige “Kirche” im Dezember 1961 in den auf protestantische Initiative hin zustande gekommenen Weltkirchenrat eintrat und dabei ein weiteres mal gegen orthodoxe Grundprinzipien verstieß, weil in der Weltkirchenrats-Satzung steht, daß es nicht nur eine, sondern eben mehrere Kirchen gibt. Die Russische Orthodoxe Kirche im Ausland machte dabei natürlich nicht mit, sondern fand - Gott sei dank! - klare Worte, um zu erklären, daß das nicht Ökumene sondern Ökumenismus war. Also erklärte Metropolit Vitaly den Ökumenismus zur

“Häresie der Häresien, weil in der Kirchengeschichte bislang jede Häresie versucht hat, den Platz der wahren Kirche einzunehmen versucht hat, aber die ökumenische Bewegung versucht all diese Häresien auch noch zur einen ‘wahren’ Kirche zu vereinen.”

Über den Umweg des sowjetischen Staatskirchentums hat sich also eine “Kirche”, die (weil sie auf ihre eigenen Dogmen pfeift) gar keine Kirche sein kann, in den Weltkirchenrat eingeschlichen und uns macht man vor, daß die Ökumene nicht nur wunderbar vorangeht, sondern sicher auch irgendwie mal etwas Gutes bringen wird - wobei natürlich niemand sagen kann, was dieses Gute genau sein wird …

Nun wissen wir ja, daß Dialog ganz, ganz wichtig ist und daß der Begriff der Ökumene mittlerweile auch auf den Dialog mit nichtchristlichen Religionen angewandt wird. Ist es also falsch, dieser geschickten Methode des Lügens einen eigenen Namen zu geben? Wäre es falsch, den Dialog als “Auswurf des Ökumenismus” zu bezeichnen oder klingt das zu radikal? Ich meine nicht, weil man auf den Seiten des Vatikan ja auch vom “Ökumenismus” lesen kann.

Das Filioque im Credo

Unter The Mystery Of Christian Power (Teil 2) gibt es die Übersetzung eines Abschnitts zu einem sogenannten “Zusatz” zum Glaubensbekenntnis

“Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht”

den die evangelische und die katholische Kirche immer noch verteidigen, obwohl er Joh. 15, 26

“Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir.”

klar widerspricht!

Hier der Textausschnitt, der das Filioque theologisch und kirchlich-politisch haarschaf interpretiert:

Es gibt eine innere Verbindung zwischen der Theorie päpstlicher Unfehlbarkeit, der Einfügung des Filioque und der Abschaffung des Anrufens des Heligen Geists während des Gottesdienstes. Unfehlbarkeit ist die Eigenschaft Gottes, nicht die des Menschen; die Wahrheit und die Gnade hält man in der Kirche durch die Handlung aufrecht, nicht durch irgendeinen Mann oder eine Gruppe von Männern, so ausgezeichnet und heilig sie auch sein mögen, sondern durch das Wirken des Heiligen Geistes Gottes. Deshalb mußten die Päpste, wenn sie sich selbst in die Höhen der Unfehlbarkeit “heben” wollten, den Heiligen Geist irgendwie “zurückstufen” und selbst Seine Stelle im Göttlichen Gefüge einnehmen. Das geschah über das Filioque, das den Geist zum Subjekt sowohl des Vaters als auch des Sohnes machte und über die Doktrin vom Papst, als dem “Vikar von Christus”. Mit der Erniedrigung des Heiligen Geistes in eine Position unter die des Sohnes und der Erhöhung des Papstes zu einer Position, die, wenn auch nicht gleich der von Christus, so aber doch wenigstens direkt unter ihm war, war der Weg für die Ausrufung des Papstes als “absoluter Garant des Willens und der Lehren des Göttlichen Schöpfers” geebnet, wie man in einem mit Druckerlaubnis des Vatikans herausgegebenen Buches vor kurzem lesen konnte.

Bemerkenswert ist weiterhin, daß das Glaubensbekenntnis mit dem Filioque im normalen Gottesdienst gar nicht gesprochen wird! Effektiv bedeutet das, daß die Kirchenhierarchie den Glauben anders bekennt, als normale Kirchgänger, die das kaum wissen dürften.

Linke Wiederkäuer

Wenn es nach Oskar Lafontaine geht, sollen Ende Mai zwei Sätze aus dem Kommunistischen Manifest in das Programm der Linkspartei aufgenommen werden. Und weil Oskar kein Unmensch ist, verrät er uns auch welche Sätze das sind:

“Sie [ die Bourgeoisie ] hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt.”

Wo liegt der Fehler in diesen zwei Sätzen? Am ersten Satz scheint es nicht viel zu geben, woran man sich reiben könnte, weil er, wie Lafontaine sagt, tatsächlich hoch aktuell erscheint. Der Betrug liegt im zweiten Satz, in dem Marx sich in der Kunst des zweischneidigen Schwertes versuchte. Nur geht seine immerhin anerkennenswerte Polemik freilich auf Kosten der Wahrheit!

Um dies zu verstehen, muß man die Sätze im Kontext lesen. Die beiden Sätze stammen aus dem Kapitel “Bourgeois und Proletarier”, in dem nach dem magischen ersten Satz, der in der Folge zum Glaubensbekenntnis der Kommunisten wurde

“Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.”

dem Bürgertum seine Anklage verlesen wird, um es dann am Ende dieses Kapitels mit einem donnerndem Paukenschlag im Geiste zu zerschmettern:

Mit der Entwicklung der großen Industrie wird also unter den Füßen der Bourgeoisie die Grundlage selbst hinweggezogen, worauf sie produziert und die Produkte sich aneignet. Sie produziert vor allem ihren eigenen Totengräber. Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.

mit dieser im Gewand eines mathematischen Beweises daherkommenden Behauptung war der Grundstein gelegt zu dem, was später als “historischer Materialismus” den Rang einer Wissenschaft behauptete. Wer dem widersprach, hatte mit Konsequenzen zu rechnen, die ernster waren, als die Inquisitio specialis in Folge ketzerischer Reden oder Häresie in den Hochphasen der Heiligen Inquisition!

Den eigentlichen Gehalt der Lehre von Marx brachte Prof. N. S. Arsenjew in Iwan Iljins 1930 erschienenen “Welt vor dem Abgrund” auf den Punkt. Er schrieb damals:

Der Bolschewismus ist in erster Linie eine Weltanschauung, die Gott und die Seele leugnet. Nicht deshalb nur leugnet er die Religion, weil sie von ihm als eine Verbündete seiner politischen und sozialen Gegner aufgefaßt wird, d. h. nicht nur aus taktischen, praktischen Gründen, sondern absolut, an und für sich. Die Kraft und die Wucht des Bolschewismus besteht darin, daß er mehr als ein bloßes politisches und soziales Programm ist: er ist Weltanschauung, und diese Weltanschauung ist grundsätzlich antireligiös, nicht bloß irreligiös, d.h. indifferent der Religion gegenüber, sondern direkt feindselig der Religion.

Der Kommunismus ist ein zielbewußter Plan, der darauf hinausläuft, sich auf Erden ohne Gott, ohne Anerkennung jeglicher höheren, absoluten Bindungen, sei es religiöser oder moralischer Art, einzurichten; daher ist aggressiver Unglaube sein Wesenszug. Das ist der Kernpunkt der bolschewistisch-kommunistischen Weltanschauung: Bolschewismus und Gottesglauben sind grundsätzlich unverträglich miteinander. Dies wissen, dies gestehen und verkündigen laut die Bolschewiken; darin sind sie vollkommen einmütig. “Die Religion und der Kommunismus sind unversöhnbar untereinander, ebenso theoretisch wie auch praktisch”, schreiben z.B. Bucharin und Preobrashenski in ihrem “ABC des Kommunismus”. —Gott ist, nach einem Ausdruck Lenins, “der Erzfeind der kommunistischen Gesellschaft”.

“Jede religiöse Idee”, schreibt Lenin in seinem bekannten Briefe an Gorkij — “jede Idee von irgendeinem Gott, ja sogar jedes Kokettieren mit solchen Gedanken ist eine unaussprechliche Gemeinheit, die nieder trächtigste Infektion”.1) und diese Überzeugungen werden immer von neuem, unermüdlich eingeschärft. “Die Religion und der Kommunismus” — so lesen wir z.B. im bolschewistischen Sammelwerke “Antireligiöse Propaganda unter den Frauen”2) —”sind zwei sich feindlich gegen überstehende Mächte, zwei Welten, die in einem unversöhnlichen Kampfe begriffen sind, zwei Feinde, von denen der Kommunismus nie seine Hand der Religion reichen wird” …

Brillante Analysen wie diese stammten von Russen, die, um dem Terrors der Bolschewiken zu entkommen, ins Ausland geflohen waren, nachdem ihr Kampf zur Verteidigung des Heiligen Russland gegen die Rotfaschisten gescheitert war.

Zur Würdigung dieser Helden, die heute auf unserer Seite stünden, wenn sie noch lebten, dieses Video:

Der Großangriff auf Konstantinopel

Der Großangriff des türkischen Heeres unter Sultan Mehmet II. auf Konstantinopel begann am 5. April des Jahres 1453. Der Großangriff erfolgte – wie man erst später begriff – nicht nur auf ein ausgelaugtes Reich unter einem der beiden Kaiser der Welt, sondern vor allem auf eine Stadt, die durch die Islamisierung vom Zentrum an den Rand Europas geraten war.

Der Angriff erfolgte aber auch auf vieles, was heute ausgegraben werden muss. Er erfolgte zum Beispiel auf das Hippodrom, die Chorakirche und die Hagia Sophia, er bedrohte – und vernichtete – das letzte vom Hellenentum noch Lebendige: die Sprache und die Kunst. Der Angriff richtete sich weit über Byzanz hinaus, gegen Belgrad, Wien und die Städte dahinter.

Sultan Mehmet II. (der später den Beinamen Fatih, „der Eroberer“, bekam und nach dem heute so gern die Moscheen in Deutschland benannt werden), 21 Jahre alt, führte 200.000 Mann gegen die Stadt Konstantinopel, die von dem 49-jährigen Konstantion XII. Paläologes und seinen 20.000 Mann verteidigt wurde. Ein halbes Jahr vorher, am 12. Dezember 1452, tat der byzantinische Kaiser einen letzten, verzweifelten Schritt, um die Stadt und sein Reich zu retten, er trat zur römischen Kirche über. Vielleicht waren es persönliche Gründe, vielleicht ein staatsmännischer Akt, vielleicht die Hoffnung, Hilfe vom Abendland zu bekommen.

Und diese Hilfe kam. Nein, das wäre doch etwas übertrieben – einige, ein paar kamen, um zu helfen, zu schützen, zu retten. Genau 700 Genuesen und 200 Römer , „Lateiner“ also, die Letzten, die sich zu diesem Begriff bekannten, auch wenn sie den verschiedensten Völkern angehörten. 900 zusammen. Wie viele davon als Begleiter und wie viele mit schwerem Herzen, echter Überzeugung und wissender Überlegung, ist unbekannt.

Konstantinopel hatte eine starke Mauer und eine Kette über das Goldene Horn gespannt. Die Türken hatten Kanonen und eine Rollbahn über das Land, auf der sie mit ihren Schiffen die Kette umgingen. Am 28. Mai drangen sie in die Stadt ein, am 29. Mai fiel der byzantinische Kaiser im Schlusskampf.

76 Jahre später standen die Türken vor Wien und nur der Winter vertrieb sie von dort, 230 Jahre später waren sie wieder da. Diesmal mussten es mehr als 900 sein, die zu Hilfe kamen, aus allen Ländern Europas. Ein Pole führte sie, ein Franzose diente als Leutnant. Und viele Tausende starben, bis der kleine Leutnant als Marschall des Reiches die Gefahr zumindest für Wien bannte. Über 500 Jahre währte es, bis Griechenland wieder ein Staat wurde und über 550 Jahre, bis das auch den anderen Völkern zwischen Budapest und Konstantinopel gelang.

900 oder weniger wollten das verhindern. Man weiß nicht, wie viele von ihnen zurückkamen.

Vielleicht keiner. Viel wird von ihnen in unseren Geschichtsbüchern nicht erzählt. Zu ihrer Zeit wird man vielleicht so über sie gelächelt haben, wie heute über ein paar Islamgegner, die sich der Abwehr dieser kulturvernichtenden Ideologie verschrieben haben.

Es gibt viele Denkmäler in Europa, glanzvolle und schlichte, pathetische und hohle. Es gibt keines für die 700 Genuesen und 200 „Lateiner“, die freiwillig im März 1453 nach Konstantinopel kamen, um dort etwas zu verteidigen, von dem Europa nichts wissen wollte. Und es wird auch keines für die Verteidiger unserer Kultur geben, falls Europa dem Islam anheimfällt.

Den 900 – einen Augenblick des Gedenkens!

Die Machtergreifung - der Beginn des Schreckens !

 
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Der Anfang des Untergangs
«Der gewaltige nationalsozialistische Angriff auf den demokratischen Staat ist abgeschlagen», urteilte die renommierte «Frankfurter Zeitung». Vier Wochen später war Hitler Reichskanzler. Mehr…

 
 
     
 
 
 
 

«In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, dass er quietscht»
Adolf Hitler war beinahe am Ende. Eine «ewige Pechsträhne» sei das Jahr 1932 für die NSDAP gewesen, schrieb ein enttäuschter Joseph Goebbels in sein Tagebuch. Schliesslich hatte Hitler die Präsidentschaftswahl gegen Amtsinhaber Hindenburg mit Pauken und Trompeten verloren. Mehr…

 
 
     
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Der Untergang Roms - Parallelen zur heutigen Zeit?

Wenn man, von der Peripherie Italiens kommend, sich über Land Rom näherte, so begann man seine Ausstrahlung schon mehrere hundert Kilometer vorher zu spüren. Die Bauernhäuser hielten die Tore geschlossen, die Güter waren bewehrt, die Pferde in bewachten, verborgenen Arealen. Kurz vor Rom verwandelte sich das Bild gegen früher dann ganz stark. Hier heraus kamen schon die jungen weinseligen Römer zu Wagen oder in Karriere zu Pferde, fröhlich und beschäftigungslos, immer zu lustigen Streichen aufgelegt, bald Pferde raubend, bald ein Mädchen reihum erlegend, bald die Truhen und Kästen inspizierend oder ein Scheunchen anzündend, dass es nur so prasselte. Die Bauern der Umgebung bildeten Schutztruppen, die am Abend und in der Nacht wachten.

Mit jedem Schritt näher an die Mauern der Stadt wuchs die Unsicherheit. Einbrüche, Diebstähle, Raubüberfälle waren an der Tagesordnung und entzogen sich längst der Zählung. Man war in Rom diesen Zustand so gewohnt, dass niemand mehr davon sprach. Bei dem Jähzorn, der vor allem bei den Halbwüchsigen fast immer eine Folgeerscheinung ihrer Immunität ist und große Ähnlichkeit mit einem Mini-Cäsarenwahnsinn hat, genügte schon ein scharfes Wort, ein schiefer Blick, um eine wilde Reaktion hervorzurufen. Die Straßen und Plätze waren zu allen Stunden voll von müßigen, sich langweilenden Jugendlichen und von Pöbel. Das Elternhaus wurde zur Tankstelle und menschlichen Garage.

Die Polizei trug ganz unnütz Tag um Tag Verbrecher jeden Alters zusammen; die Richter, von einem nicht mehr erklärbaren Wahn des Allesverstehens befallen, ließen die Verhafteten wieder frei, um die Menschenwürde nicht zu kränken. Sie hatten auch Angst, Angst vor der Rache an der Familie und Angst vor der „öffentlichen Meinung” des Rinnsteins. Ädile (römische Beamte), die eingriffen, wurden mit Steinen beworfen. Nicht die Gesetze bestimmten das Leben, sondern die augenblicklichen Zustände bestimmten die Rechtssprechung. Die Entscheidungen der Richter waren ein Hohn auf die Gesetze. Gerade die Älteren wetteiferten, einen Meter vor der Entwicklung zu marschieren.

Der Staat war der Feind des ehrlichen Bürgers geworden. Er honorierte Ordnung nicht mehr, er ließ dem Krankhaften allen Schutz angedeihen und nannte das human. Der Anständige war ihm als lebender Vorwurf suspekt und wurde diffamiert, um nicht zum Ankläger werden zu können. Die Staatskasse verschwendete die Steuergelder in die Unterhaltung der Volksluxusbäder und ernährte die Masse der untätigen Proletarier von der Wiege bis zur Bahre. Die Inflation griff rapide um sich. Ein Denar, längst nicht mehr aus Silber, hatte zur Zeit des Commodus (röm. Kaiser von 180 bis 192) wenigstens noch den Wert von einigen Pfennigen. Hundert Jahre genügten, um ihn zu einem tausendstel Teil sinken zu lassen. Der Staat gab dieses Schundgeld an die Beamten und Angestellten des ganzen Reiches aus und zwang sie es zum Nennwert anzunehmen, lehnte aber selbst, sobald es zu ihm zurücklief, die Annahme als Falschgeld ab. Er war zum Verbrecher geworden. Geldgeschäfte ruhten bald vollständig, der Handel mit fremden Ländern hörte auf, Rom fiel auf die Stufe der Naturalienzahlungen zurück. Wer gutes, altes Geld hatte, versteckte es. Alles flüchtete in Sachwerte, in leicht transportable, in Gold, Perlen und Edelsteine.

Carpe diem. Tagtäglich strömten die Massen in die Circusse, Arenen und Theater. Schon Titus hatte das von seinem Vater gestiftete Colosseum mit hunderttägigen Spielen eingeweiht, bei denen fünfzigtausend exotische Tiere ihr Leben lassen mussten. Jetzt, zur Spätzeit, herrschte dort fast pausenlos Betrieb. Es fasste über fünfzigtausend Zuschauer. Aber die anderen Arenen kamen hinzu. Der Circus Maximus fasste nach dem letzten Umbau hundertfünfundachzigtausend Menschen. Sicher waren ständig dreihundert- bis vierhunderttausend unterwegs auf der Jagd nach dem „bisschen, was unsereins hat”, dem Vergnügen. Zehntausende von Gladiatoren ließen ihr Leben, Hunderttausende von Tieren wurden abgeschlachtet. Im Colosseum fanden riesige Jagden zwischen aufgebauten Felskulissen statt. Den Circus setzte man unter Wasser und trug Seeschlachten aus, bei denen sich die Gegner zu Hunderten echt töteten. Das Wasser war rot von Blut. Die Menge tobte und schrie, fraß und stank. Der Blutgeruch zog in Schwaden durch die Straßen. Eine neue Note kam in „das bisschen, was unsereins hat”, als die Christen- und Judenverfolgungen begannen. Die meisten der Opfer wurden im Circus Maximus den wilden Tieren vorgeworfen.

Der moralische Verfall ging natürlich auch mit einem beispiellosen sittlichen Verfall einher. Rom war voller Dirnen, es wimmelte von Bordellen. Die Aufstachelung und Befriedigung begann bereits bei den Kindern, stürmisch begrüßt als Befreiung von Frustration.

Unerwünschte Neugeborene wurden von den Müttern erstickt oder irgendwo weggeworfen. Man fand sie vor den Toren auf Schritt und Tritt. Eine Ehe, die in Ordnung war, galt als sicheres Zeichen dafür, dass der Mann ein Tölpel und die Frau ein Blaustrumpf war. Es existierten zwar Ehegesetze, irgendwo lagen sie, aber es ist unwahrscheinlich, dass ein Richter sie noch kannte. Die neue Zeit hatte sich ein neues Gewohnheitsrecht geschaffen: die „Konsens-Ehe”, die den Personenstand der Frau nicht veränderte und nicht mehr berührte. Man pflegte die Ehefrau eines anderen abzuklopfen wie eine Partnerin beim Tanz. Niemand oder kaum jemand aus der fortschrittlichen Gesellschaft verdarb das Spiel. Man bildete sexuelle Supermärkte zu dritt, zu viert, ein Gedicht spricht von einer „Kette von fünf”. Wenn das nicht mehr zog, nahm man Haschisch aus dem Orient zu Hilfe.

Das wär’s.
Rom ging sang und klanglos unter. Es wurde nicht wie Hellas besiegt, zerfetzt, verschlungen; es verunglückte nicht in der Kurve, es prallte mit niemand zusammen, es stürzte nicht ab und bekam keinen Herzschlag.
Es verfaulte.
Man hätte es retten können. Aber man gab ihm Opium, statt zu schneiden.
Hören Sie, was die Ruinen, was die Säulenstümpfe auf dem Forum romanum rufen?
Schönen Gruß an die Enkel.

Gekürzter Auszug aus dem letzten Kapitel von „Cäsar lässt grüßen”, Joachim Fernau, 1971.

Wer nichts aus der Geschichte lernt, ist gezwungen, sie zu wiederholen.